Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e.V. Homepage

Fachtagung 2003 Mannheim

9. ADKA-Fachtagung und Mitgliederversammlung
12.06.2003 bis 14.06.2003, Mannheim

Programmübersicht

Die pdf-Datei mit dem Kongressbericht, wie er auch in der Zeitschrift Krankenhauspharmazie 07/2003 veröffentlicht wurde, zum heruntreladen:


Posterveranstaltung

Übersicht:

1. Ambulante Therapie mit antineoplastischen Substanzen
Möglichkeiten und Grenzen
Jürgen Barth, Marion Stützle

2. Eine neue, schnelle, voll automatisierte Methode für die Bestimmmung von Fluconazol aus Serum mittels HPLC-Säulenschaltungstechnik
Egle H., Trittler R., Kümmerer K.

3. Moderne Schmerztherapie in der Onkologie durch PCA-Pumpen - Eine Herausforderung für den Apotheker
Fritz C., Trittler R., Strehl E.

4. Herstellung von MHPC-Gel Fertigspritzen zur Anwendung am Auge
Harnisch R., Heyde R.

5. Billig = gut? Qualität & Kosteneffizienz bei Implantatbeschaffung schließen einander nicht aus ein Beispiel aus der Praxis
Hausmann ; Hebecker ; Piek ; Trekel

6. Medizinprodukte in der Krankenhausapotheke
Hausmann ; Marx ; Müller ; Trekel

7. Qualitätssicherung bei der Zubereitung zur Anwendung: Evaluation eines neuen, die Arzneimittelsicherheit verbessernden, Zubereitungssystems
Hoppe-Tichy T., Liebing T.

8. Stabilitätsuntersuchungen von Caspofungin und Voriconazol
Hoppe-Tichy T., Gehrig AK., Kreul C.

9. Kupferhistidin-Lösung zur Behandlung von Menkes`Kinky Hair Syndrom: Herstellung und Stabilität
Hoppe-Tichy T., Nguyen H., Hentze BW., Lorke M.

10. Schnittstellenbetreuung bei der Patientenaufnahme in die Klinik: Stationsprojekt Gefäßchirurgie
Hoppe-Tichy T., Schwald M., Schimpf D., Swoboda S., Walk S., Fath S.

11. Unterricht und Lehre von Medizin-Studenten durch die Klinikapotheke
Swoboda S., Geiss HK., Hoppe-Tichy T.

12. Pharmazeutische Betreuung von Asthma-Patienten innerhalb der integrierten Versorgung. Ein sektorübergreifender Pathway.
Keiner N., Keiner D.

13. Sichere Methadonsubstitution im Akutkrankenhaus - Eine Anleitung für Arzt und Apotheker
Pallenbach E., Fellhauer M.

14. Anstieg der postarthroskopischen Entzündungsprozesse im OP: eine Überwachung des Vorkommens
Wimmers H., Durlach RA., Freuler MC., Laugas S.

15. Physikalische und mikrobiologische Umgebungskontrollen in einer neu erbauten Zentralen Zytostatikazubereitung
Langer U., Geißelmann K., Krämer I.

16. Nationale Umfrage zur Anwendung von Busulfan bei Blutstammzelltransplantationen
Karstens A., Krämer I.

17. Der Tourenplan EDV-gestützte Auslieferung von Apothekengütern
Sattler A., Nardello G.

18. Wirtschaftliche und Qualitätsgesicherte Arzneimitteltherapie - am Beispiel Piperacillin / Combactam -
Reissner P., Kinscheck A.

19. Integrierte Versorgung / Seamless Care - Modellprojekt zur intersektoralen Zusammenarbeit -
Reissner P., Kinscheck A

20. Integrierte Versorgung / Seamless Care Qualitätszirkel im Modellprojekt
Reissner P., Kinscheck A

21. Arzneimittelversorgung und pharmazeutische Betreuung einer Intensivstation - ein Gewinn ?
Rossnagel K., Veicht H., Korb D., Kammerl P.

22. Paclitaxel Eigenherstellung in der Krankenhausapotheke; neue Rezeptur
Theuer H., Scherbel G., Wilken A.

23. Monitoring von Piperacillin und Tazobactam in Sputum von Mucoviszidosepatienten mittels einer neuen, schnellen LC-MS-Methode
Trittler R., König A., Frank U., Kümmerer K.

24. Viele Beziehungen und ein anständiges Ergebnis
Oder : wie Sie Auswertung und Darstellung Ihrer Verbrauchszahlen zur Kleinigkeit werden lassen
van Almsick G.

25. Zusammenarbeit von Apotheke und Chirurgie im Krankenhaus (ZACK)
- Ein Modell zur kosteneinsparenden Qualitätsverbesserung in Klinik und ambulanten Bereich -
Reinecke M.-F., Dom E., Danne A., Post S.

26. Der Apotheker als kommunikatives Bindeglied in einer Übergreifenden Patientenversorgung in Zusammenarbeit
mit der LAK Baden-Württemberg, ADKA Baden-Württemberg und dem LAV Baden-Württemberg
Reinecke M.-F., Dom E., Danne A., Post S.

27. Die AM-Info Datenbank der ADKA für dokumentierte Arzneimittelinformation aus der Krankenhausapotheke
Amann S., Rasche F.



1. Ambulante Therapie mit antineoplastischen Substanzen
Möglichkeiten und Grenzen

Jürgen Barth, Marion Stützle

Die Durchführbarkeit einer ambulanten Chemotherapie ist mannigfaltig. So sind beispielsweise Lymphomtherapien im niedergelassenen Bereich möglich und werden auch appliziert, z.B.: BEACOPP

BEACOPP II - Basisschema (Deutsche Hodgkin-Studiengruppe 1993)
C Cyclophosphamid 650 mg/m Tag 1
A Doxorubicin 25 mg/m Tag 1
E Etoposid 100 mg/m Tag 1, 2, 3
P Procarbazin 100 mg/m p.o. Tag 1+ 7
P Prednison 40 mg/m p.o. Tag 1+ 14
O Vincristin 1,4 mg/m (max. 2 mg) Tag 8
B Bleomycin 10 mg/m Tag 8

Ebenso können Hodentumore trotz einer platinhaltigen Therapie mit notwendiger Hydratisierung ambulant durchgeführt werden (z.B. PEI; kurativ, intermediäre Prognose, Kontraindikationen gegen Bleomycin)

Cisplatin/Etoposid/Ifosfamid (PEI)
P Cisplatin 20 mg/m Tag 1-5
E Etoposid 75 mg/m Tag 1-5
I Ifosfamid 1200 mg/m Tag 1-5

Was würde nun ambulant nicht gegeben werden??
Allgemein ausgedrückt: (sehr) toxische, medizinisch nicht rechtfertigbare Therapien. Darunter fallen z.B. die Knochenmarktransplantation (KMT), die periphere Stammzellentransplantation (PBSCT) und die Hochdosischemotherapie (HD-CTX). Das wesentliche Risiko besteht in der Blutungsgefahr außerhalb der unmittelbaren ärztlichen Aufsicht.
Vorraussetzungen seitens der Ambulanz und der Apotheke:
Eine wesentliche Voraussetzung für eine ambulante Chemotherapie ist eine suffiziente Logistik. Das bedeutet, dass die Herstellung und Lieferung der Individualrezepturen "rechtzeitig" durch die Apotheke erfolgt. Das wiederum setzt ein sehr diszipliniertes und straff organisiertes Bestellverhalten und somit auch eine entsprechende Therapieplanung voraus. Ebenso bedarf es in der Ambulanz einer hinreichend großen Zahl an Infusionsplätzen sowie entsprechend personellen Kapazitäten. Dabei sollte ins Kalkül einbezogen werden, ob man mit einer Schicht auskommt. Das betrifft insbesondere zeitaufwendige Chemotherapien und/oder deren Supportivtherapien (z.B. Hydratisierung). Das "Zeitproblem" kann dahingehend gelöst werden, indem beispielsweise die Blutwerte vom Vortag via Hausarzt übermittelt werden und die Medikationsbestellung heute für morgen früh erfolgt. Des weiteren sollte ein Patienteninterview nach dem allgemeinen Befinden durchgeführt werden ("Haben Sie Fieber?"). Moderne Applikationshilfen wie Pumpen können Mobilität garantieren. Voraussetzung ist, dass es sich um leicht handzuhabende, sichere Produkte handelt. Die herstellende Apotheke muss sowohl über weitreichende Sachkunde bezüglich der Stabilität und Kompatibilität der Zytostatika verfügen als auch über Kenntnisse hinsichtlich des Toxizitätsmanagements (Supportivmaßnahmen wie adäquate Prä- ggf. Postmedikation z. B. Taxane, monoklonale Antikörper).
Vorraussetzungen seitens der Patienten:
Ambulant geführte Patienten sollten einen Karnowski Index von > 60 aufweisen. Liegt dieser drunter profitieren die Patienten von einer stationären Therapie. Eine hochgradige Compliance ist wesentlich. So können Patienten beispielsweise zur s.c.-Gabe von Cytarabin angeleitet werden oder wie man Applikationshilfen sachgerecht abhängt und einen Port pflegt. Besonders wichtig ist die Compliance bei oraler Therapie oder Begleittherapie (z.B. Mesna).


Zusammenfassung:

Für eine Ausweitung ambulanter Chemotherapie
Muss die Verzahnung Apotheke Ambulanz enger werden.
Das bedarf einer intensiven Kommunikation
Sehr gut geplanter, disziplinierter Arbeitsorganisation
Sachkenntnis hinsichtlich Toxizitätsmanagement, therapiebegleitender Supportivtherapie,
Kompatibilität, Stabilität und den unterschiedlichen Applikationsmöglichkeiten.

Jürgen Barth, Essen & Marion Stützle, Ludwigshafen; Arbeitsgruppe Onkologie (AO) des ADKA- Ausschusses Klinische Pharmazie



2. Eine neue, schnelle, voll automatisierte Methode für die Bestimmmung von Fluconazol aus Serum mittels HPLC-Säulenschaltungstechnik

Hannes Egle, Rainer Trittler, Klaus Kümmerer

Fluconazol ist ein Triazol mit potenter antimykotischer Aktivität. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von sytemischen Pilzinfektionen. Obwohl die Blutspiegel sehr gut mit der verabreichten Dosis korrelieren, gibt es Patienten bei denen die Bestimmung der Blutspiegel wichtig ist. Besonders Dialysepatienten profitieren von einem Fluconazol-Drug-Monitoring, da hier die Blutspiegel stark vom Dialyseverfahren abhängen.
Bis jetzt gibt es nur wenige Fluconazol-Bestimmungsmethoden. Alle in der Literatur beschriebenen Methoden benötigen eine Probenaufarbeitung und benötigen daher relativ viel Zeit und sind Fehleranfällig. Das Ziel der hier dargestellten Arbeit war die Entwicklung einer schnellen, voll automatisierten und präzisen Methode für die Bestimmung von Fluconazol Serumspiegeln.

Anschrift:
Hannes Egle
Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene
Universitätsklinikum Freiburg
Hugstetterstr. 55
79106 Freiburg



3. Moderne Schmerztherapie in der Onkologie durch PCA-Pumpen
Eine Herausforderung für den Apotheker

C.Fritz, R. Trittler, E. Strehl

Zur Therapie von sehr starken Tumorschmerzen empfiehlt der Stufenplan der Weltgesundheitsorganisation die orale Applikation eines starken Opioids mit einem Nichtopioidanalgetikum. Zusätzlich zur Schmerztherapie werden auch Antidepressiva, Neuroleptika und Corticosteroide eingesetzt.
Bei Tumorpatienten im Finalstadium ist die orale Applikation dieser Kombination unter Umständen nicht möglich. Für diese Patienten gibt es die Möglichkeit der Anwendung transdermaler therapeutischer Systeme (TTS) oder spezieller spinaler Applikationsformen oder die intravenöse oder subcutane Dauerinfusion der Schmerzmedikation. Eine Dosisanpassung ist bei TTS nur in groben Schritten möglich. Die pumpengesteuerte intravenöse, subcutane oder spinale Gabe ermöglicht eine sehr feine und individuelle Dosisanpassung. Rückenmarksnahe Verfahren sind gegenüber der i.v. bzw der s.c. Anwendung mit einem erheblich größeren technischen Aufwand und einem größeren Risiko verbunden. In der Klinik für Tumorbiologie wird daher am häufigsten der intravenöse Zugang - unter Nutzung eines bereits vorhandenen zentralvenösen Ports verwendet, gefolgt von einem subcutanen Zugang. Diese Applikationsformen waren lange Zeit auf die stationäre Behandlung beschränkt. Durch die Entwicklung von tragbaren PCA- Infusionsspritzenpumpen (PCA für patient-controlled-analgesia) ist der Patient nicht mehr auf eine stationäre Behandlung angewiesen. Er bleibt mobil und kann auch zu Hause adäquat schmerztherapiert werden. Die Herstellung der dafür benötigten Schmerzreservoire stellt in zweierlei Hinsicht eine Herausforderung für die Apotheke des Universitätsklinikums Freiburg dar. Zum einen müssen für die kontinuierlich zunehmende Zahl an herzustellenden Reservoiren Kapazitäten in der Produktion geschaffen werden (1998 : 100 Reservoire, 2002 : 410 Reservoire). Zum anderen liegt es im Aufgabenbereich des Apothekers eine Aussage über die Haltbarkeit und Stabilität der Medikamentenmischungen zu machen.
In der Literatur liegen für die vielen in unserer Praxis vorkommenden verschiedenen Rezepturen keine ausreichenden Daten zur Haltbarkeit vor. Problematisch ist erstens die Verschiedenartigkeit der Substanzen, zweitens die stark variierenden pH-Werte der Mischungen (d.h. unterschiedliche Mischungsverhältnisse von Lösungen mit verschiedenen pH-Werten), sowie drittens der lange Anwendungszeitraum von bis zu 3 Wochen bei Temperaturen um 32 Ziel unserer Arbeit ist die systematische Untersuchung der Stabilität und Kompatibilität dieser unterschiedlichen Rezepturen um eine Aussage über die Haltbarkeit machen zu können. Erste Ergebnisse über Stabilität und Kompatibilität der Mischung von Novalgin und Morphin sollen hier vorgestellt werden.




4. Herstellung von MHPC-Gel Fertigspritzen zur Anwendung am Auge

R. Harnisch, R. Heyde, Halle/Saale

Lieferschwierigkeiten der zum damaligen Zeitpunkt gelisteten Methylhydroxypropylcellulose-Gel- Fertigspritzen (MHPC-Gel-Fertigspritzen) und pharmakoökonomische Überlegungen wurden zum Anlass genommen, die chargenweise Eigenherstellung dieser Zubereitung in unserer Apotheke zu entwickeln und zu etablieren.
Als Basis diente eine uns bekannte Vorschrift zur Herstellung von MHPC-Gel, verpackt in Injektionsflaschen. Diese Primärverpackung war aber für den Anwender nicht akzeptabel. Es bestand die Forderung, das Gel in Fertigspritzen zu liefern.
Im Mittelpunkt der Arbeiten stand daher die Suche nach Mitteln und Wegen, um auf einfache Weise dieses Gel dampfsterilisiert in Fertigspritzen anbieten zu können.
Die Realisierung des Vorhabens erfolgte in folgenden Schritten:
- Festlegung der Anforderungen an die Zubereitung in Abstimmung mit dem Anwender
- Entwicklung einer geeigneten Methode zur Filtration des Gels
- Entwicklung einer geeigneten Methode zum Abfüllen des Gels in Spritzen
- Beschaffung von Spritzen, die sich zum Autoklavieren mit Inhalt eignen
- Entwicklung eines praktikablen Herstellungsprozesses und Formulierung einer Herstellungsvorschrift
- Überprüfung der erreichten Qualität
- Erstellung einer Prüfanweisung
Schlüssel zum Erfolg war zunächst die Etablierung einer einfach zu handhabenden Methode zur Abfüllung des Gels in Fertigspritzen. Weiter gelang es uns, in diesen Arbeitsschritt die Filtration des Gels zu integrieren. Dazu modifizierten wir ein Druckfiltrationsgerät mit aufgesetztem 2-Liter- Produktbehälter der Firma Sartorius. Hinter dem manuellen Absperr-Ventil installierten wir ein Luer-Lok Zur Befüllung der Spritzen werden diese auf das Adapterstück geschraubt, durch Öffnen des Absperrventils befüllt, danach die in den Spritzen befindliche Luft herausgedrückt und mit einem Kombi-Stopper aus Polypropylen verschlossen.
Im weiteren Herstellungsprozess werden die Spritzen etikettiert, in Stericlin geeigneter Größe eingeschweißt und im Schnellrückkühl-Autoklav sterilisiert.
Die Beschaffung von Spritzen, die sich zur Primärverpackung des Gels mit anschließender Dampfsterilisation eignen, erfolgt über die Firma Becton-Dickinson. Dort beziehen wir die Glas- Spritzen mit 5 ml Füllvolumen in 3 Einzelteilen (Glaskörper, Kolbenstopfen, Kolbenstange). Die Glaskörper und die Kolbenstopfen werden steril und partikelfrei verpackt geliefert. Der Zusammenbau der Spritzen erfolgt unmittelbar vor Befüllung der Spritzen.
Im Ergebnis der Arbeiten können wir die chargenweise Herstellung eines klaren, partikelfreien, sterilen Gels, verpackt in Fertigspritzen realisieren. Das Fertigarzneimittel wurde durch unsere Eigenherstellung vollständig verdrängt, auf Wunsch des Anwenders wird dieses nicht mehr bezogen.

Verantwortlicher Verfasser: Dr. Ralf Harnisch
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
Klinikum der Medizinischen Fakultät
Universitätsapotheke
Ernst-Grube-Str. 40
06120 Halle/Saale



5. Billig = gut?

Qualität & Kosteneffizienz bei Implantatbeschaffung schließen
einander nicht aus ein Beispiel aus der Praxis

Hausmann DHF 1; Hebecker R 2 ; Piek J 2 ; Trekel D 1
1Zentralapotheke des Klinikums
2Chirurgische Universitätsklinik Rostock, Abteilung für Neurochirurgie

Einleitung: Der steigende Kostendruck im Gesundheitswesen erfordert ein Durchdenken und Nutzen aller im Krankenhaus verfügbaren Strukturen. Dazu gehören auch die beschaffenden und Service-Bereiche, zu denen die Krankenhausapotheke zählt. Durch Erarbeiten von Leitlinien und hausinternen Standards muß jedes Krankenhaus die klinischen Pfade finanziell vertretbar halten und gleichzeitig ein hochwertiges Outcome sichern. Für diese Leistungsverdichtung bedeutet in großen Häusern das Ausnutzen der Beschaffungsstrategien ein enormes organisatorisches Potential, wodurch schließlich hochwertigere Implantate eingesetzt werden können als in kleineren operativen Einrichtungen.
Therapieverlauf/Methodik: In unserem Beispiel wurde ein Patient mit einer sehr schmerzhaften Lumboischialgie infolge Bandscheibendegeneration mit einem virtuell kostengünstigen Implantat und OP-Management auswärtig versorgt. Eine Besserung seiner Symptome trat jedoch nicht ein. Eine Versorgung in unserem Haus ermöglicht eine hochwertigere Implantatversorgung mit effektiv geringeren Implantatkosten. Die Einkaufsstrategien, die in unserm Haus in der Klinikumsapotheke angesiedelt sind, bedeuten einen Baustein, um das optimale Implantat einsetzen zu können.
Resultat/Diskussion: Das verwendete Implantat (stand-alone Cage) dieses Patienten hat nicht zu einer stabilen Zwischenwirbelfusion geführt, der Patient ist nicht beschwerdefrei, eine Revisionoperation mit anderen Implantaten erscheint als Lösung. Die Verwendung von stand-alone Cages bedeutet ein erhöhtes Risiko geringerer Fusionsraten im Vergleich zur Verwendung eines internen Fixateurs mit biomechanisch ausgereiften Cages. Scheinbarer Vorteil von stand-alone Cages ist ein geringerer Listenpreis im Vergleich zum Fixateur interne plus Cage, was aber durch qualitätsorientiertes Management im Krankenhaus zu Gunsten der besseren Lösung verändert werden kann. Krankenhäuser sind aufgefordert, ein Kosten- und Prozeßmanagement aufzubauen, wobei Behandlungsabläufe beschrieben, optimiert und standardisiert werden. Ziel dabei muß es sein, langfristig optimal zu versorgen und die dafür notwendigen Prozesse sowie Devices genauestens zu analysieren. Dazu gehört entscheidend die Auswahl und Kalkulation des optimalen Implantates einschließlich der Randbedingungen, wie z. B. das Instrumentarium.
Schlußfolgerung: Unser vorliegender Beitrag zeigt am Beispiel eines lumbalen Fusionsverfahrens an der Wirbelsäule, daß die Krankenhausapotheke, die in die Versorgung mit Medizinprodukten involviert ist, durch ihr qualitätsfokussiertes Management die kostengünstige Beschaffung hochwertiger Implantate ermöglicht und somit Voraussetzungen für ein besseres Outcome schafft.



7. Qualitätssicherung bei der Zubereitung zur Anwendung: Evaluation eines neuen, die Arzneimittelsicherheit verbessernden, Zubereitungssystems

Hoppe-Tichy T, Liebing T

Apotheke des Universitätsklinikums Heidelberg


Problemstellung:

Die Zubereitung von Arzneimitteln zur intravenösen Anwendung kann mit einer Vielzahl von Prozessschritten verknüpft sein. Die Risiken für den Patienten, die durch diese Schritte entstehen, sind vielfältig: Sie reichen von der Gefahr der Verwechslung einzelner Zubereitungen über Stabilitätsrisiken hin zur Entstehung nosokomialer Infektionen. Die Risiken bestehen vor allem dann, wenn es sich bei der Herstellung von i.v.-Medikamenten um die auf Station durchgeführte sogenannte "Zubereitung zur Anwendung" handelt. Ferner muss realisiert werden, dass viele Prozessschritte mit einem hohen Bedarf an Arbeitszeit und somit hohen Prozesskosten verknüpft sind.
Die pharmazeutische Industrie bietet deshalb verschiedene Problemlösungen an, wie z. B. Fertigspritzen oder gelöste Arzneimittel in Infusionsbeuteln. Ferner werden bestimmte Transfer Sets angeboten.


Methode:

Die vorliegende Studie verglich die Aspekte Arzneimittelsicherheit, Anwenderfreundlichkeit und anfallende Kosten bei der Rekonstitution eines gefriergetrockneten i.v.-Arzneimittels nach einer konventionellen Methode oder mit dem Bio-Set Systems.
Die Studie wurde im Universitätsklinikum Heidelberg durchgeführt. Es wurden 24 freiwillige Mitarbeiter des Pflegedienstes rekrutiert. Das neue Rekonstitutionssystem wurde jedem Teilnehmer kurz vorgestellt. Jeder Teilnehmer an der Studie stellte je 10 applikationsfertige Arzneimittellösungen nach herkömmlicher Art und mit dem neuen System her.
Qualitätsindices wurden vorab definiert. Es waren dies: Hygiene (aseptische Herstellung), Homogenität der Lösung (Schütteln) und Kennzeichnung, ferner eine Zufriedenheitsanalyse bei den Teilnehmern und eine Kostenanalyse.


Ergebnisse:

Die Hygienebedingungen wurden bei 6% der beobachteten Fälle bei der konventionellen Methode und bei 80% der neuen Methode eingehalten (p<0,001). Es wurden keine signifikanten Unterschiede beim Homogenitätsindex und der Kennzeichnung gefunden.
Die Zufriedenheitsanalyse bei den herstellenden Mitarbeitern des Pflegedienstes zeigte eine hohe Zufriedenheit mit dem neuen System: Einfachheit des Herstellprozesses, Beurteilung der Hygiene, Sicherheit für den Pflegedienst und den Patienten wurden signifikant besser für das neue System beurteilt. Die Arbeitszeit und die anfallenden Kosten sind mit dem neuen System geringer (p<0,001).
Das Bioset System stellt einen Beitrag zur Verbesserung der Qualität und zur Reduktion der Kosten bei der Zubereitung zur Anwendung dar.



12. Pharmazeutische Betreuung von Asthma-Patienten innerhalb der integrierten Versorgung. Ein sektorübergreifender Pathway.

Nils Keiner 1, Dirk Keiner 2

1Krankenhausapotheke HELIOS Klinikum Erfurt, Nordhäuser Str. 74, 99089 Erfurt;
e-mail: nkeiner@erfurt.helios-kliniken.de
2Zentralapotheke des Zentralklinikums Suhl, A.-Schweitzer-Str. 2, 98527 Suhl,
e-mail: Dirk.Keiner@zs.srh.de

Die bestehenden Defizite in der medizinischen Versorgung liegen u.a. in der scharfen Abgrenzung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Die angestrebte Verbesserung der Versorgungsqualität (KTQ) kann durch Clinical Pathways (CP) erreicht werden. CP werden für Erkrankungen mit hoher Prävalenz erstellt. Die Struktur der Behandlungspfade legt u.a. fest, welche klinisch pharmazeutischen Leistungen zu erbringen sind. Die Pharmakotherapie als wesentlichen Bestandteil klinischer Behandlungspfade macht die Einbeziehung des Apothekers unerlässlich [1]. Durch die nahtlose pharmazeutische Betreuung als klinische Dienstleistung können Behandlungsprozesse optimiert werden [2]. Am HELIOS Klinikum Erfurt ist ein solcher Versorgungsansatz bei Patienten mit Asthma bronchiale etabliert und wird derzeit evaluiert.
Auf mehreren Ebenen werden im CP die Handlungsabläufe der Pharmazeutischen Betreuung verankert und miteinander abgestimmt. Wichtige Komponenten für den Krankenhausapotheker sind die Begleitung der Arzneimittelbewertung, Teilnahme an Visiten/Kurvenvisiten, pharmakotherapeutisches und pharmakokinetisches Monitoring, Schulung des Personals zur Arzneimittelanwendung und Überwachung, Patientenschulung, Herausarbeiten und Lösen arzneimittelbezogener Probleme. Ein "Apothekerbrief zur Entlassung aus dem Krankenhaus" dient schließlich dem Offizinapotheker als Grundlage für die weitere pharmazeutische Betreuung.
Es wird ein CP vorgestellt, der die pharmazeutischen Betreuungsleistungen der Krankenhausapotheke und der Offizinapotheke verbindet. Das Ziel besteht darin, durch strukturierte pharmazeutische Betreuungsangebote die Qualität und Effizienz der Arzneimitteltherapie zu steigern, die Lebensqualität der Patienten nachhaltig positiv zu beeinflussen und Kosten zu senken. Das Einbeziehen weiterer stationärer und ambulanter Gesundheitsberufe ist dabei selbstverständlich.


___________________
1. Kitchiner, D.J., Bundred, P.E.: Clinical pathways. A practical tool for specifying, evaluating and improving the quality of clinical practice. Med J Aust , 170, 54-55 (1999).
2. Taxis, K.: Seamless Care. Arzneimittelversorgung ohne Lücken. Pharm Ztg, 147 (37), 3542- 3549 (2002).



16. Nationale Umfrage zur Anwendung von Busulfan bei Blutstammzelltransplantationen

A. Karstens, I. Krämer, Mainz

Einführung: Busulfan wird bei Blutstammzelltransplantationen hochdosiert oral oder parenteral in Kombination mit Cyclophosphamid zur Konditionierung der Patienten eingesetzt. In der Literatur wird für die orale Gabe wegen der inter- und intraindividuellen Variabilität von cmax-, tmax- und AUC-Werten ein Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) gefordert, um einerseits die Toxizität, v.a. das Risiko der Lebervenenverschlußkrankheit (HVOD), zu reduzieren und andererseits Transplantatabstoßungen zu vermeiden. Bei einer Dosierung von 1 mg/kg KG viermal täglich über 4 Tage und der handelsüblichen Dosierung von 2 mg Tabletten sind patientenfreundliche, praktikable Applikationsmethoden in der klinischen Praxis gefragt. Die Tabletten werden z.B. im Tee aufgeschlämmt oder es werden rezepturmäßig Kapseln oder Suspensionen hergestellt. Jede Verarbeitung von Busulfan erfordert aber die Einhaltung von Personenschutzmassnahmen, da Busulfan als CMR-Substanz eingestuft ist. In den USA kam 1999 das Infusionslösungskonzentrat Busulfex auf den Markt, das in Deutschland als Importarzneimittel eingesetzt werden kann. Dessen Nachteile sind die sehr hohen Kosten und die kurze Haltbarkeit der applikationsfertigen Infusionslösungen. In Vorbereitung von vergleichenden Untersuchungen zur Effektivität und Praktikabilität der oralen und parenteralen Applikation von Busulfan wurden die aktuellen Anwendungsmodi für Busulfan in Deutschland erhoben.
Methode: 48 Krankenhausapotheken deutscher Knochenmarktransplantationszentren wurden folgende Fragen gestellt:
- Erhalten Kinder und/oder Erwachsene Busulfan?
- Wie wird Busulfan verabreicht? (Art und Umfang der Applikations-, Darreichungsform)
- Ist die Einführung von Busulfex geplant?
- Werden Busulfan-Plasmaspiegel bestimmt?
Ergebnisse: Der Rücklauf der Fragebogen betrug 92% (44 von 48). In 39 von diesen 44 Transplantationszentren wird Busulfan eingesetzt. Von den in die Auswertung eingegangenen Krankenhäusern geben 61% Busulfan ausschließlich oral, 8% i.d.R. oral und selten parenteral, 26% regelmäßig oral und parenteral und 5% ausschließlich parenteral. Zur oralen Applikation werden hauptsächlich Tabletten genutzt (24 von 39 Zentren). Von den 34 Zentren, die Busulfan regelmäßig oral verabreichen, werden nur in 4 Zentren Busulfan-Plasmaspiegelbestimmungen durchgeführt. Von den 21 Transplantationszentren, die Busulfan ausschließlich oral verabreichen, plant zur Zeit keines die Einführung von Busulfex.
Der Einsatz von Busulfex in den einzelnen Transplantationszentren variiert stark (0,5-100%). Nur 2 von 12 Zentren setzen ausschließlich Busulfex ein. Mangelnde Stabilität der applikationsfertigen Busulfex-Infusionslösungen und daraus resultierende fehlende Praktikabilität in der zentralen Zytostatikazubereitung bzw. die hohen Kosten waren angegebene Begründungen für den zurückhaltenden Einsatz von Busulfex.
Schlußfolgerungen: Die orale Applikation von Busulfan wird in den deutschen Knochenmarktransplantationszentren in der Regel ohne begleitende Bestimmung von Busulfan- Plasmaspiegeln und TDM durchgeführt, obwohl das TDM bei oraler Busulfan-Gabe als Stand des Wissens gilt. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß jahrzehntelang Busulfan nur mittels sehr zeitaufwändiger und kostenintensiver Methoden in Plasmaproben bestimmt werden konnte. Auch neuere Analysen- und TDM-Methoden sind wegen des hohen Aufwandes nicht etabliert. Als Alternative hat sich die parenterale Gabe wegen der hohen Kosten für das Fertigarzneimittel und der kurzen Haltbarkeit der applikationsfertigen Infusionslösungen nicht durchgesetzt. Ein wissenschaftlich fundierter Vergleich der Effektivität, Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit der oralen bzw. parenteralen Anwendung von Hochdosis-Busulfan ist für die Arzneimittelsicherheit und Therapieoptimierung dringend erforderlich.

A. Karstens, I. Krämer, Apotheke des Klinikums der Johannes Gutenberg-Universität,
Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz



18. Wirtschaftliche und Qualitätsgesicherte Arzneimitteltherapie
- am Beispiel Piperacillin / Combactam -

P. Reissner *, A. Kinscheck

Im Hinblick auf die kommenden DRG stellt sich immer mehr die Frage nach einer qualitativ hochwertigen Therapie unter ökonomischen Gesichtspunkten. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit des Pflegedienstes, des ärztlichen Dienstes sowie einer Apothekerin auf Station wird Therapieoptimierung in unserem Haus angestrebt.
Im Rahmen eines dreimonatigen "Apotheker-auf-Station" - Pilotprojektes wurde als Teilprojekt die kostengünstigere Alternative der freien Kombination von Piperacillin plus Sulbactam (Combactam) anstelle der fixen Kombination von Piperacillin plus Tazobactam (Tazobac) eingeführt. Im Verlauf entwickelte die Apotheke eine Herstellungsanweisung, auf der basierend später die Untersuchung des Zeitaufwandes zur Herstellung der freien Kombination zum Vergleich mit dem Zeitaufwand der Herstellung der fixen Kombination durchgeführt wurde. Fortbildungen zur Herstellung wurden ebenfalls durch die Apotheke initiiert.


Nach Abschluss des Projektes wurde dies in einer Befragung des Pflegedienstes sowie
des ärztlichen Dienstes evaluiert.
Unter Berücksichtigung aller Zusatzkosten wie Herstellungsaufwand (inklusive Personalkosten) und Müllentsorgung ist der Einsatz von Piperacillin plus Sulbactam um 33 % günstiger als der Einsatz der fixen Kombination. Aus Sicht der Mikrobiologie ist diese Umstellung hinsichtlich Resistenzlage problemlos, im Vergleich zu den Vormonaten sind die Resistenzen auf Piperacillin plus Sulbactam vergleichbar mit denen von der fixen Kombination. Betrachtet man nur E. Coli- Keime sind die Resistenzen ebenfalls vergleichbar.
73% aller Beteiligten, Pflegedienst sowie ärztlicher Dienst bewerteten das Projekt mit gut bzw. sehr gut. Nach Vorstellung des Projektes bei der Betriebsleitung hat diese das Projekt zur Weiterführung genehmigt aufgrund der ökonomischen und qualitätssichernden Vorteile.

Ruppiner Kliniken GmbH
Apotheke
P. Reissner
Fehrbelliner Strasse 38
16816 Neuruppin



19. Integrierte Versorgung / Seamless Care
- Modellprojekt zur intersektoralen Zusammenarbeit -

P. Reissner *, A. Kinscheck

Nach mehreren Jahren Entwicklungs- und Durchsetzungszeit trat der neue Paragraf 14 des Apothekengesetztes im August 2003 in Kraft. Zusätzlich zur Bekräftigung der gewohnten Aufgaben der Krankenhausapotheke wurden diese noch um einige Aufgaben erweitert.
Bisher mussten Patienten nach der Entlassung aus der stationären Versorgung umgehend Ihren Hausarzt aufsuchen zur Verordnung neu angesetzter oder umgestellter Medikamente. In einigen Fällen wurden auch Tabletten in Blistern dem Patienten durch das Pflegepersonal "zugesteckt". Dies geschah ohne den Patienten zu informieren über Art der Medikamente, das Procedere der Einnahme und Aufklärung über Neben- und Wechselwirkungen.
Im neuen Projekt der Apotheke der Ruppiner Kliniken GmbH "Seamless-Care", welches in Zusammenarbeit mit der Internistischen Station für Diabetologie und Angiologie durchgeführt wird, wird diese Versorgungslücke nun geschlossen. Patienten werden mit abgezählten und nach Einnahmezeitpunkt sortierten Medikamenten entlassen. Zusätzlich werden die Patienten durch die Apothekerin vor Ort über Ihre Medikamente informiert. Durch regelmäßige Visitenteilnahme können Patienten individueller beraten werden, Krankheitsbilder und deren Sonderfälle werden in die Beratung einbezogen.
Um die teilweise bei Aufnahme entstehende Versorgungslücke zu schließen, insbesondere bezüglich nicht gelisteter Präparate, werden neu aufgenommene Patienten zusätzlich zur ärztlichen Anamnese durch die Apothekerin zu Ihrer Medikamenteneinnahme befragt. Die Hausarztmedikation wird registriert und bei Bedarf auf die Hausliste umgestellt; gleichzeitig wird sie einem Interaktionscheck unterzogen und bei Problemen der Stationsarzt informiert. In interdisziplinärer Zusammenarbeit wird so der Patient von der Aufnahme bis hin zur Entlassung betreut und beraten.

Patientenzufriedenheit ist ein Ziel dieses Projektes, Zufriedenheit im und verbesserte zukünftige Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Bereich ein weiteres. Diese Zufriedenheit erzeugt Bindung an das Krankenhaus, sowohl des Patienten wie auch des Arztes.

Dokumentiert wird der Verlauf und der Erfolg des Projektes auf Basis verschiedener Befragungen. In diesen wurden im Vorfeld die Erwartungen und Ansprüche der niedergelassenen Ärzte und Apotheker ermittelt.
Die Befragung zeigt, dass zwar von den niedergelassenen Ärzten häufig schriftliche Information über die Medikamenteneinnahme an das Krankenhaus geht, von den niedergelassenen Apothekern gab jedoch keiner an, dem Patienten Medikamentenpässe mitzugeben. Eine Mitgabe der Medikation zum Wochenende wurde von 80,2% aller Befragten gewünscht, für 19,8 % würde es ausreichen, nur die umgestellte Medikation bzw. neu angesetzte Medikamente mitzugeben. Da die Mehrheit der befragten Ärzte und Apotheker bezüglich Mitgabe der Medikamente für die Variante "Alle Medikamente" gestimmt hat, haben wir uns für diese entschieden. Dies dürfte für den Patienten ebenfalls die beste Variante sein, da zusätzliches Nachsortieren der Hausarztmedikation wegfällt. Ebenfalls wird ein gesonderter Schein zum Arztbrief gewünscht, in dem durch die Krankenhausapotheke das Arzneimittel sowie zusätzlich der Wirkstoff aufgeführt wird. Momentan händigt die Apotheke diesen Schein dem Patienten aus, der diesen bei seinem Arzt bzw. seiner Apotheke abgibt.
Generell zeigt die Befragung, dass eine Zusammenarbeit der Krankenhausärzte sowie der Krankenhausapotheker mit den niedergelassenen Ärzten und Apothekern durch diese gewünscht wird.
Nach Entlassung von ca. 120 Patienten (Pilotphase) wurden diese zu Ihren Erfahrungen und Ihrer Meinung bezüglich des Projektes befragt. Diese Befragung soll das Projekt evaluieren und uns Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen.

Ruppiner Kliniken GmbH
Apotheke
P. Reissner
Fehrbelliner Strasse 38
16816 Neuruppin



20. Integrierte Versorgung / Seamless Care
- Modellprojekt zur intersektoralen Zusammenarbeit -

P. Reissner *, A. Kinscheck

Innerhalb des Projektes Integrierte Versorgung/Seamless Care wurden Ärzte und Apotheker nach ihrer Bereitschaft zur Zusammenarbeit befragt.
Von nahezu 85 % der befragten Ärzte und 100 % der Apotheker wird ein regionaler Stammtisch bzw. ein Qualitätszirkel gewünscht, bzw. können sich die Befragten unter Umständen vorstellen. In diesem sollen, nach den Antworten der Befragten Leitlinien zu bestimmten Themengebieten erarbeitet werden, um auch bei der Sekundärprophylaxe bzw. der Weiterbehandlung der entlassenen Patienten auf kostengünstige und effektive Regimes zurückgreifen zu können.
Generell zeigt die Befragung, dass eine Zusammenarbeit der Krankenhausärzte sowie der Krankenhausapotheker mit den niedergelassenen Ärzten und Apothekern durch diese gewünscht wird.

Um dem immer stärker werdenden Kostendruck, vor allem für die niedergelassenen Ärzte, entgegen zu wirken, und um eine gleichbleibende Qualität der Arzneimitteltherapie stationär sowie ambulant zu gewährleisten, wurde ein Qualitätszirkel initiiert. In diesem werden nach Indikationsgruppen Richtlinien zur Verschreibung festgelegt.
Teilnehmer sind Ärzte und Apotheker der Region. Diskutiert werden Indikationsgebiete und Therapien der Krankheitsbilder, welche auf der beteiligten Station Angiologie/Diabetologie eine Rolle spielen. Bisher in der Diskussion waren die Sekundärprophylaxe der Antithrombotischen Therapie sowie die Sekundärprophylaxe der Hypertonie.

Ziel dieses Qualitätszirkels ist eine kontinuierliche Zusammenarbeit, welche die Unterschiede in der Therapie zwischen ambulant und stationär überbrücken soll. Eine einheitliche und für den Patienten optimierte Therapie wird unter ökonomischen Gesichtspunkten angestrebt.

Ruppiner Kliniken GmbH
Apotheke
P. Reissner
Fehrbelliner Strasse 38
16816 Neuruppin



26. Zusammenarbeit von Apotheke und Chirurgie im Krankenhaus (ZACK)
- Ein Modell zur kosteneinsparenden Qualitätsverbesserung in Klinik und ambulanten Bereich -

Reinecke M.-F.1), Dom E. 2) , Danne A.1), Post S. 2)
1) Apotheke und 2) Chirurgische Klinik der Klinikum Mannheim gGmbH, Universitätsklinikum, Fakultät für Klinische Medizin Mannheim


Einleitung:

Qualitätssicherung therapeutischen Handelns stellt in Zeiten zunehmender Ressourcenknappheit eine besondere Herausforderung dar.
Um beides gleichzeitig zu erreichen, eine effektive Kostensenkung einerseits sowie eine Optimierung der medizinischen Versorgung andererseits, wurde im April 2001 die Zusammenarbeit von Apotheke und Chirurgie im Krankenhaus (ZACK der Klinikum Mannheim gGmbH gegründet.


Methodik:

Hierzu finden auf der Chirurgischen Intensivstation gemeinsame klinische Visiten von Apothekerin und Chirurgen statt, bei denen Arzneimitteltherapien auf Ihren hinsichtlich ihres pharmakologischen Nutzens und ihrer Kosten gemeinsam erörtert werden. Darüber hinaus werden gemeinsam Therapiestandards (z.B.: für die parenterale und enterale Ernährung, Antibiotika- und Schmerztherapie) erarbeitet. Diese werden in Form von Kittelkarten an die Chirurgen der Klinik verteilt und im internen Klinikmanual elektronisch hinterlegt. In Zusammenarbeit mit der Pflegedienstleitung wurde das Medikamenten- Bevorratungssystem überprüft. Eine Unterstützung erfolgt außerdem bei der Auswahl von Medizinprodukten und bei der Chargendokumentation.


Ergebnisse:

Durch Einführung von Therapiestandards, Kontrolle der Umsetzung dieser und Sortimentsstraffung sowie Lageroptimierung, konnten auf der chirurgischen Intensivstation seither 50.346,16 eingespart werden. Dies fand seinen Niederschlag in den Tagestherapiekosten des medizinischen Bedarfs (Arzneimittel und Medizinprodukte), die bei steigenden Fallzahlen von 86,13 auf 66,94 gesenkt wurden. Im Rahmen der gemeinsamen Visiten wurden schließlich auch zahlreiche Therapieformen identifiziert, die sich trotz korrekter medizinischer Indikation aufgrund von Fehlern in der Medikamentenapplikation als unwirksamen bzw. nebenwirkungsreich erwiesen.


Diskussion:

Somit ist diese Zusammenarbeit ein Modell, wie die, gerade in der heutigen Zeit notwendige, Kostenminimierung sogar bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung erreicht werden kann. Insbesondere kann hierdurch den Maßgaben der DIN ISO Zertifizierung Rechnung getragen werden. Dieses Konzept ist auf andere Kliniken übertragbar, da es für jede Station individuell angepasst werden kann.



27. Der Apotheker als kommunikatives Bindeglied in einer Übergreifende Patientenversorgung

in Zusammenarbeit mit der LAK Baden-Württemberg, ADKA Baden-Württemberg und dem LAV Baden-Württemberg

Reinecke M.-F.1), Dom E. 2) , Danne A.1), Post S. 2)
1) Apotheke und 2) Chirurgische Klinik der Klinikum Mannheim gGmbH, Universitätsklinikum, Fakultät für Klinische Medizin Mannheim


Einleitung:

Die Entlassung des Patienten aus der stationären Behandlung stellt eine wesentliche Schnittstelle zwischen Klinik und ambulanten Bereich dar. Probleme in der Kommunikation können hier zu beträchtlichen Nachteilen für oftmals schwer kranke Patienten führen. Mit dem Ziel, die Weiterleitung von relevanten Informationen zur Therapie an weiterbehandelnde Kliniken, Stationen sowie niedergelassene Ärzte und Apotheker zu verbessern, setzt die Krankenhausapotheke der Klinikum Mannheim gGmbH unter Mitarbeit verschiedener Kliniken (Chirurgie, Geriatrie, Kinderkliniken, etc.) seit 1997 ein selbstentworfenes Projekt um, auf ausdrücklichen Wunsch der Geschäftsleitung.


Methodik:

Kritisch kranke Patienten (Organtransplantierte, Intensivpatienten, geriatrische Patienten, "Problem-Kinder", etc.) werden von einer Apothekerin stationsübergreifend mitbetreut. Nach schriftlicher Patienteneinwilligung analog 73 Absatz 1b SGB V erfolgt die Betreuung von Beginn der Aufnahme ins Krankenhaus bis zur Entlassung. Nach ärztlicher Rücksprache erfolgen je nach Erfordernis , Teilnahme an klinischen Visiten, Einzelgespräche mit Patienten und Angehörigen, sowie Informationsgespräche mit dem niedergelassenen Bereich.
Unter anderem wird dabei bereits vor Entlassung der Patienten dem Hausarzt und "Hausapotheker" zeitgleich ein Informations-Fax übermittelt. Inhalte dieser Mitteilung sind:

- ein Informationsblatt für den behandelnden Arzt vor Patientenentlassung mit Ansprechpartnern im Klinikum ,
- die aktuelle Medikation bei Beendigung des Krankenhausaufenthaltes unter Berücksichtigung des Arzneimittelausgaben-Begrenzungsgesetzes (AABG),
- die aktuellen Medikamente vor dem Klinikaufenthalt (Selbstmedikation).


Ergebnisse:

Ansprechpartner werden schneller greifbar, eine reibungslose und lückenlose Versorgung, z.B.: mit seltenen oder sehr teuren Medikamenten, schwierigen Rezepturen bzw. die Weitergabe von Problematiken und Betreuungsstrategien wird möglich. Wichtige Informationen zum Patient und Komplikationen in der Arzneimitteltherapie konnten allein in der Chirurgie bei über 50 Patienten aufgedeckt und vermieden werden. Aufgrund der Erfahrungen und Erfolge im Klinikum entwickelten sich die Projekte im Mittelpunkt der LAK Baden-Württemberg und ADKA Baden-Württemberg sowie seamless pharmaceutical care 1 der ABDA. Alle Bögen und Anregungen aus der Klinikum Mannheim gGmbH wurden dort bereits übernommen.


Diskussion:
Die Krankenhausapotheke versteht sich als Schaltstelle und konnte Berührungsängste im niedergelassenen Bereich und beim Patienten überwinden helfen. Eine fehlende übergreifende Information und Arzneimittelversorgung in der ambulanten und stationären Therapie kann zu Problemen in der Patientenversorgung auch im Krankenhaus führen. Die Betreuung dieser Problempatienten ist sehr zeitaufwendig. Vor einer breiten Umsetzung dieses Modellprojektes in anderen Kliniken sollten daher gesundheitliche Vorteile bei den Patienten und ökonomische Verbesserungen in einer Kosten-Nutzen Analyse belegt werden.



28. Die AM-Info Datenbank der ADKA für dokumentierte Arzneimittelinformation aus der Krankenhausapotheke

Steffen Amann, Apotheke Klinikum rechts der Isar der TUM, München
Frank Rasche, www.raschesweb.de

Einleitung Seit August 2002 ist die Information und Beratung der Ärzte des Krankenhauses durch den Krankenhausapotheker in 14(4a) ApoG vorgeschrieben . Lange vor dieser gesetzlichen Verpflichtung haben viele Krankenhausapotheker bereits aktiv Arzneimittelinformation betrieben. Diese Dienstleistung des Klinischen Pharmazeuten ist auf qualitativ hohem Standard durchzuführen und nicht selten entstand somit die Frage, wie die Beantwortung Patienten bezogener Fragen dokumentiert werden kann.
In einer Umfrage im April 2002 wurde das konkrete Interesse unter den deutschen Krankenhausapotheken an einer Datenbank zur Dokumentation von Arzneimittelinformationen (AM-Info DB) erhoben. Dabei zeigte sich bei 44% (220/550) Rücklauf der Fragebögen ein hohes Interesse: über zwei Drittel äußerten sich interessiert, ein solches System zu erwerben, 19% gaben "kein Interesse" und 13% "unentschlossen" an. Mit diesem Ergebnis beschloss das ADKA Präsidium die Realisierung der AM-Info Datenbank.
Methoden Die im Rahmen einer Promotion erarbeitete AM-Info DB des Klinikums Innenstadt der LMU München sowie die im Klinikum rechts der Isar der TU München seit 1999 eingesetzte AM- Info DB dienten als Grundlage zur Erarbeitung einer grundsätzlich neu programmierten, Internet basierten AM-Info DB. Ziel der Programmierung ist eine schnelle, strukturierte und übersichtliche Dokumentation der Anfragen, wobei mit der Dokumentation der Antwortbrief automatisch generiert werden soll. Gleichzeitig soll jedem Anwender eine möglichst individuelle Ausgestaltungen des von ihm genutzten Systems (aktivierte Funktionen und Formularwesen) ermöglicht werden. Die eigenen Anfragen sind vor fremdem Zugriff zu schützen und dürfen nur der eigenen Apotheke zugänglich sein. Zur Wiederfindung der gespeicherten Datensätze soll der "pharmazeutische MeSH" zur Verfügung gestellt werden.
Ergebnisse Mit der hier vorgestellten Datenbank werden die genannten Ansprüche erfüllt:
a Module der Datenbank können individuell aktiviert oder deaktiviert, einzelne Felder beliebig benannt und als Pflichtfelder festgelegt werden
a Nicht abschließend bearbeitete Anfragen finden sich in einer Übersicht auf der Startseite
a Allgemeinen Daten zu Anfrage, genutzte Datenquellen, Bearbeiter der Anfrage etc. werden automatisch auf dem Antwortbogen angegeben
a Dokumentation der Anfragen ist nach pharmazeutischem MeSH, ATC, INN und weiteren frei wählbaren Kategorien möglich
a Umfangreiche Suchfunktionen ermöglichen das Wiederfinden abgelegter Anfragen
a Wiederkehrende Anfragen (z.B. Information über Zulassungsstatus, Kurzauskünfte) können als Vorlage mit bereits vorgefüllten Feldern zur schnellen Dokumentation gespeichert werden
a Aufwand, Kosteneinsparung und weitere Parameter können kontinuierlich dokumentiert werden
a Antworten können als html- oder pdf-Dateien ausgedruckt, gespeichert oder direkt per Email verschickt werden
a Es sind keine Installationen oder Programmpflege auf lokalen Rechnern notwendig, lediglich ein Internetzugang muss als technische Voraussetzung bestehen
a Überregional Arzneimittelinformationszentren können sich in einem virtuellen Informationszentrum zusammenschließen.
Zukünftig bietet die AM-Info DB über die Bearbeitung und Dokumentation Patienten bezogener Arzneimittelanfragen hinaus auch die Möglichkeit zu einer Wissensdatenbank anzuwachsen. Häufig wiederkehrende Anfragen (FAQ's) werden zentral gesammelt, von einem Expertengremium qualifiziert überarbeitet und werden danach allen Nutzern zur Verfügung gestellt.
Schlussfolgerungen Die AM-Info DB stellt somit eine wesentliche Erleichterung bei der Bearbeitung und Dokumentation von Patienten bezogenen Anfragen dar und ermöglicht zusätzlich die Quantifizierung dieser wichtigen Dienstleistungen der Klinischen Pharmazeuten.

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